Die Darstellung von KI in populären nichtwissenschaftlichen Medien wie Literatur, Film und Computerspielen prägt entscheidend mit, wie Menschen KI gegenüberstehen und diese bewerten. Schließlich konsumieren die allermeisten Menschen recht häufig Blockbuster, aktuelle Computerspiele oder lesen einen Science-Fiction Roman und nur ein verhältnismäßig kleines Publikum setzt sich kontinuierlich mit dem aktuellen Stand der Forschung in diesem Bereich auseinander. Medial tragen insbesondere wiederholte und unrealistische Charakterisierungen von KI zu einem verzerrten Bild bei, welches ein menschenähnliches Bewusstsein und die Existenz einer alles überbietenden Superintelligenz vermuten lässt.
Auf Seite der negativen Darstellungen finden sich oft weltuntergangsartige Szenarien ausgelöst durch KI, wie bspw. ein Übertrumpfen des eigenen Schöpfers bzw. der Schöpferin oder die Ausrottung der kompletten Menschheit.
In der Terminator-Filmreihe schickt das Skynet als körperlose KI menschenähnliche Killerroboter auf die Erde.
Trailer Terminator
in 2001: Odyssee im Weltraum plant ein intelligenter Bordcomputer den Tod von Raumfahrern
Trailer 2001: Odysee im Weltall>
und in Ex-Machina ermogelt sich eine scharfsinnige Roboterfrau ihre Freiheit, indem sie einem Programmierer romantische Gefühle vorgaukelt.
Trailer Ex-Machina
Auf der anderen – positiven – Seite werden ebenfalls unrealistische Beispiele von intelligenten Maschinen gezeigt, bspw. KI als menschenähnliche Diener, die jeden Wunsch von den Augen ablesen und sich stets altruistisch verhalten.
Im Star-Trek-Universum wurde beispielsweise der Androide Data oder der Hologramm-Doktor Der Doktor erschaffen, die Befehle ausführen und oft in letzter Minute zur Rettung erscheinen
Trailer Star-Trek: Strange new world
Eine andere, aber zumindest größtenteils ebenfalls positive Darstellung von KI findet sich in Her – der Protagonist verliebt sich in ein sprachgesteuertes Betriebssystem und kann durch diese Beziehung eigenen Gefühlen der Einsamkeit entfliehen.
Trailer Her
Nicht nur Hollywood und große Film- und TV-Produktionsfirmen tragen zu einem verzerrten Bild in den Köpfen vieler Menschen bei. Eine übertriebene, unrealistische bis hin zu dämonisierende Darstellung hat auch Einzug in die Kommunikation seitens Journalismus und Presse erhalten. Dort ist das Spektrum der hervorgerufenen Bilder ebenfalls groß. Es spannt sich von Übertreibung aktueller technologischer Entwicklungen im Bereich KI bis hin zu düsteren Weltuntergangsszenarien. Insbesondere reißerische Überschriften in Bezug auf KI werden häufig veröffentlicht:

Auch wenn in den Beiträgen anschließend häufig eine differenziertere Darstellung der Thematik erfolgt, so bleiben doch oft die beeindruckenden Überschriften in den Köpfen hängen und tragen zukünftig zur Urteilsbildung bei.
Christopher Noessel, der bei IBM arbeitet und unter anderem an der KI Watson mitarbeitete, welche durch legendäre Gewinne in der TV-Serie Jeopardy Berühmtheit erlangte, wertete 147 Filme und Serien sowie 68 Manifeste von Forschenden und Unternehmen vergleichend aus. Hierbei schaute er sich auf der einen Seite an, welche KI-Themen und Geschichten von Filmen behandelt wurden. Auf der anderen Seite wertete er aus, welche Forderungen Forschende in ihren Manifesten aufstellen. Bei einem Vergleich, welche Forderungen aus den Manifesten bereits in Filmen auftauchten fand er sowohl ausreichend behandelte Themen, als auch viele Leerstellen an Themen, die noch nicht in Filmen abgedeckt werden. Film- und TV-Produktionen, welche die Forschung zu KI gut wiedergeben sieht er zum Beispiel in Person of interest (2011-2015), Alien (1979) und Colossus (1970). Inszenierte Darstellungsformen von KI, z. B. als inhärente Bösewichte oder als menschenähnliche „normale“ Bürger:innen mit besonderen Fähigkeiten, können als reine Fiktion betrachtet werden. Relevante Fragestellungen aus der Forschung, die allerdings oft keinen Platz in populären Filmen und Science-Fiction finden sind z.B.: Wie können Entscheidungen einer KI für die Menschen nachvollziehbar gestaltet werden? Welche gesetzlichen Regelungen und Normierungen sind notwendig?
Eine grafische Auswertung seiner Untersuchung ist unter folgendem Link zu finden:
Dass KI bei den Medien ein so beliebtes Thema ist, hängt zum einen damit zusammen, dass der Begriff mittlerweile zu den häufig falsch genutzten Begriffen der jüngeren Technologiegeschichte gehört. Oft werden Entwicklungen und Geschäftsmodelle mit dem Begriff KI belegt, in denen bei genauerem Hinsehen nicht wirklich KI enthalten ist. Häufig handelt es sich dann auch um Vorgänge, die es bereits seit einigen Jahren gibt, beispielsweise Statistiken, Business Analytics und manuell programmierte Wenn-Dann-Regeln, die nun durch das neue Label fälschlicherweise einen neuzeitlichen Anstrich erhalten oder medial aufgeblasen werden. Zum anderen ist der Begriff Künstliche Intelligenz an sich eher schwammig definiert, so dass eine Vielzahl verschiedener Technologien unter KI als Schirmbegriff verortet werden können. Dies Verwässerungen der eigentlichen Bedeutung kommen zwar dem (Wissenschafts-)Marketing zu Gute, tragen zugleich aber ebenfalls nicht zu einem klaren Verständnis in der Gesellschaft bei.
Wenn über KI gesprochen oder geschrieben wird, dann muss bedacht werden, dass in diesem Zusammenhang genutzte Begriffe anders interpretiert werden können als intendiert, da sowohl ein wissenschaftliches als auch alltägliches Wortverständnis existiert. Beispiele für solche Worte sind „lernen“, „verstehen“, „wissen“ und „intelligentes Verhalten“. Man könnte zum Beispiel sagen, dass ein System „intelligent“ ist, da es präzise Navigationsanweisungen präsentiert, basierend auf den Daten weiterer Navigationsgeräte die Route verbessert und aus einer Vielzahl an möglichen Routen datenbasiert die beste Variante auswählt – also: das System trifft eine Entscheidung. Das gezeigte, mitunter intelligente, Verhalten hat in diesem Kontext jedoch nichts mit einer allgemeinen, domänen-übergreifenden kognitiven Fähigkeit zu tun. Ein Navigationssystem kann, bezogen auf die spezielle erlernte Aufgabe der Navigation, als intelligent beschrieben werden und ist dennoch nicht in der Lage, alle Aufgaben auszuführen, die auch ein Mensch ausüben kann, z.B. das Fahrzeug steuern oder auf unvorhersehbare Ereignisse in Echtzeit reagieren usw. Im Vergleich dazu ist der Mensch ein „Universalwerkzeug“ mit Fähigkeiten in vielen verschiedenen Bereichen, die über ein Spezialgebiet hinausgehen.
Besonders die Vorstellung einer „den Menschen komplett ersetzenden intelligenten Maschine“, das durch die Darstellung und Kommunikation in den Medien oft suggeriert wird, ist problematisch. Dieses Bild trägt zu unrealistischen Erwartungen an KI-basierte Systeme bei. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der technische Fortschritt noch weit entfernt von einer Superintelligenz dieses Ausmaßes und es bleibt fraglich, ob sich das je ändern wird. Menschen wählen – im besten Fall gut überlegt – die Datengrundlage aus, auf welcher KI-Modelle trainiert werden. Die Performanz der KI-Systeme wird maßgeblich von der Qualität und Quantität der Daten beeinflusst. Systeme dieser Art sind nur in jenem Spezialgebiet gut, in dem sie vorher sehr genau trainiert wurden. Im Alltag nutzen Menschen bisher lediglich schwache, spezifische KI, wie z.B. Mustererkennung (Sprach-, Bild- und Gesichtserkennung), Intelligente Suchmaschinen, Wegfindung, und Prognosen (Verkehr, Wetter). Ein Beispiel für solch ein im Alltag genutztes System ist der Sprachassistent Alexa: ihre Antworten erscheinen manchmal charmant und geistreich, sind aber von einem redaktionellen Team an Menschen ausgedacht und vorprogrammiert. Bewusstsein, eigener Wille und authentische Gefühle – das bleibt Zukunftsmusik.
Dennoch kann es unheimlich wirken, dass KI-Systeme immer häufiger zum Einsatz kommen, ohne dass Menschen sich dessen bewusst sind. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass Maschinen vor allem jene Aufgaben gut umsetzen können, die Menschen eher schwerfallen. Eine KI kann beispielsweise in kurzer Zeit auch komplexe nichtlineare Muster und Zusammenhänge in sehr großen Datenmengen erkennen. Eine Leistung, die die menschliche Kognition weit übersteigt und auch mit unbegrenzter Zeit vermutlich nicht lösbar wäre. Aufgaben, die wiederum für den Menschen leicht erscheinen, sind für Maschinen hingegen oft hochkomplex. Eine KI darauf zu trainieren, zwischen Fotos mit Kühen und Pferden zu unterscheiden, ist unter Umständen nicht trivial und benötigt erstaunlich viele Trainingsdaten. Schleichen sich Zebra-Fotos mit in den Datensatz, dann ist die Maschine vermutlich „ratlos“. Die zukünftigen Auswirkungen von KI hängen stark von technischen Fortschritten zur Verbesserung der systemseitigen Wahrnehmung und Feinmotorik, der kreativen und der sozialen Intelligenz ab.